Kabarett vs. Comedy – Part II
“Comedy & Kabarett – worin wird unterschieden, auch wenn es angeblich keinen Unterschied gibt?”
Diese Frage wurde mir letzthin gestellt. Die Frage nach dem Unterschied zwischen Comedy und Kabarett ist eine der am häufigsten gestellten Interviewfragen, was direkt auch zeigt, wer sich am häufigsten mit dieser Einteilung beschäftigt: Journalisten. Es herrscht bei der schreibenden Zunft ein fast schon zwanghaftes Bestreben, jegliche Bühnendarbietung in eine Schublade zu stecken. Entzieht sich ein Künstler der klaren Einteilung setzt panikartig die Suche nach Referenzpunkten im Programm ein, die oftmals zu seltsamen Interpretationen führt. Somit ist die unsägliche Einteilung in Kabarett und Comedy oftmals sehr ärgerlich gerade für Künstler, die in der Kommunikation als Comedians bezeichnet werden. Warum das so ist, erläutere ich später.
In meinen Augen gibt es nicht nur angeblich keinen Unterschied zwischen Kabarett und Comedy, sondern tatsächlich. Kabarett mit seiner etymologischen Herkunft bezeichnete schon immer ein buntes Allerlei an Bühnendarbietungen im häufig kleinen Rahmen – also stilistisch ein sehr freier Begriff.
Was hier in Deutschland über die Jahre passiert ist, stellt sich für mich wie folgt dar: Kabarett wurde bekannt und daher auch hauptsächlich assoziiert mit politischer Satire, die im Ur-Kabarett einen großen Anteil hatte. Man muss dabei allerdings Folgendes anmerken: Wenn man die alten Recken des Kabaretts und deren Programme genauer betrachtet, finden sich auch vor allem in deren Vergangenheit Nummern und Programmteile, die gänzlich ohne offensichtlich politischen Bezug ausgekommen sind.
Es kam die Zeit, als dann eine neue Generation von Künstlern gesprochene Satire für sich entdeckte, aber ausschließlich vordergründig unpolitische Themen zum Mittelpunkt gemacht hat. Diese Gruppe wollte sich über den neuen Begriff Comedy vom althergebrachten Kabarett abgrenzen. Diese Trennung wurde auch von der anderen Seite dankbar angenommen und von hier nimmt das Unheil seinen Lauf.
Im Grunde wird auf der Medienseite auf Nachfrage häufig Kabarett als politische und Comedy als unpolitische, dem Alltag zugewandte Disziplin eingeordnet. Das wird spätestens dann schwierig, wenn ein Künstler auftaucht, der ganz offensiv beide Felder in seinen Programmen beackert. Wie dem auch sei – das alleine wäre noch nicht schlimm. Richtig ärgerlich wird es, wenn Comedy und Kabarett als Qualitätssiegel benutzt werden, also unter dem Motto „Kabarett ist clever, schlau und wertvoll – Comedy ist dumm, niveaulos und geistiges Fast-Food.“ Welche wenig konstruktiven Auswirkungen das haben kann, sieht man zum Beispiel am aktuellen Konflikt zwischen Matthias Riechling und Dieter Hildebrandt.
Es bleibt bei mir die Überzeugung, dass Comedy das englische Wort für Kabarett ist und es durchaus sowohl schlechtes Kabarett als auch gute Comedy im Sinne der weit verbreiteten Definitionen gibt. Die Berichterstattung sollte sich weniger mit Kategorisierung und mehr mit der Frage auseinandersetzen, wie es sich mit der Qualität der gebotenen Unterhaltung verhält. So!