Kabarett vs. Comedy – Part I
Immer und immer wieder muss man sich als Komödiant der Genre-Frage stellen: Macht man nun Comedy oder Kabarett? Bevor ich persönlich dazu Stellung nehme, möchte ich hier ein paar Statements von drei großartigen Kabarettisten (oder Comedians?) zitieren.
Wilfried Schmickler, Kleinkunstpreisträger 2009, sagte in einem Interview mit dem SWR dazu Folgendes:
“Wir haben zum Beispiel früher viel mit Verkleidungen gearbeitet im Kabarett. Da wird immer dieser komische Widerspruch zwischen Kabarett und Comedy konstruiert, den gibt es ja gar nicht. Eigentlich haben die Kabarettisten ja die Comedy erfunden. Zum Beispiel damals “Die 3 Tornados”, Kabarettisten aus Berlin, die zum ersten Mal das klassische Kabarett gesprengt haben und in Frauenklamotten oder in absurden Verkleidungen auf die Bühne gestürmt sind.”
Eine andere Position vertritt Dieter Hildebrandt heute in der Süddeutschen. Auf die Frage: “Wo liegt die Grenze zwischen Kabarett und Comedy?” antwortet er:
“Die ist total fließend, wir haben das ja lange im Scheibenwischer praktiziert. Da gab es komödiantische Elemente, und wir haben zugleich klargemacht, was und stört an der Politik. Einmal gab es eine ganze Sendung nur zur Gesundheitsreform und was sie aus den Leuten macht. Das war vielleicht nicht lustig, aber wichtig. Manchmal muss man eine Aussage machen, ohne auf Pointen Rücksicht zu nehmen. Wir haben nie auf Pointendichte gezielt, genau das ist der Unterschied zur Comedy.”
Vince Ebert wiederum bezeichnet in einer äußerst gelungenen Kolumne zum vorliegenden Thema Comedians als “neoliberale Kabarettisten”.
Gibt es einen Unterschied zwischen Comedy und Kabarett? Und wenn ja … wo liegt er? Und wenn nein, wer ist denn nun im Recht? Und wer braucht überhaupt diese Unterscheidungen? Das sind alles Fragen, denen ich mich gerade stelle. Die Antworten aus meiner Sicht kommen demnächst an dieser Stelle!